Die Steuer verjährt nicht? Doch! Fristen im Überblick
Wann verjährt eine Steuer? Alle Verjährungsfristen im Überblick: Festsetzungs- und Zahlungsverjährung + nützliche Tipps für Unternehmen und Privatpersonen.
August 2025

Wann verjährt eine Steuer? Alle Verjährungsfristen im Überblick: Festsetzungs- und Zahlungsverjährung + nützliche Tipps für Unternehmen und Privatpersonen.
August 2025
Viele Unternehmen und Privatpersonen wissen nicht, dass Steueransprüche zeitlich begrenzt durchsetzbar sind. Eine Steuer verjährt also tatsächlich. Wer Fristen kennt, kann Risiken minimieren und Gestaltungsspielräume nutzen. Doch Achtung: Je nach Steuerart und Sachverhalt gelten unterschiedliche Regeln. Dieser Beitrag gibt einen fundierten Überblick über Fristen, Besonderheiten bei Steuerhinterziehung und konkrete Handlungsmöglichkeiten – praxisnah, verständlich und mit Blick auf steuerliche Sicherheit.
Wenn eine Steuer in Deutschland verjährt, bedeutet das, dass der Staat nach Ablauf bestimmter Fristen keine Ansprüche mehr geltend machen kann. Gesetzlich ist diese Verjährung in der Abgabenordnung (AO) geregelt, wobei zwischen der Festsetzungsverjährung und der Zahlungsverjährung unterschieden wird.
In beiden Fällen beginnt bei einer Steuer die Frist für die Verjährung in der Regel mit dem Ende des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist. Einige Leser könnten sich fragen, warum eine Steuer überhaupt verjährt. Der Gedanke dahinter ist einerseits Rechts- und Planungssicherheit für Steuerpflichtige und andererseits die Förderung von Verwaltungseffizienz.
Festsetzungsverjährung
Sie legt fest, bis wann das Finanzamt einen Steuerbescheid erlassen darf, und beträgt grundsätzlich vier Jahre ab Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist. Ist diese Frist abgelaufen, kann keine neue Steuer mehr festgesetzt werden. Die Einkommensteuer-Verjährung bei Nichtabgabe ist hierbei komplexer. Die Festsetzungsverjährung beginnt in diesem Fall erst mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuererklärung tatsächlich abgegeben wird. Ohne Abgabe bleibt die Frist offen, und das Finanzamt kann noch Jahre später reagieren. |
Zahlungsverjährung
In diesem Bereich geht es um die Einziehung einer bereits festgesetzten Steuer. Auch wenn ein Steuerbescheid erlassen wurde, kann das Finanzamt nach Ablauf der Zahlungsverjährung keine Zahlung mehr fordern. Die Frist für diese Steuer-Verjährung beträgt grundsätzlich fünf Jahre und beginnt mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Steueranspruch erstmals fällig wird (§ 228 AO). Die Fristen sind voneinander unabhängig und unterliegen eigenen Regelungen.
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Wenn es darum geht, ob eine Steuer verjährt, gibt es immer eine steuerrechtliche und eine strafrechtliche Seite. Die beiden unterschiedlichen Verfahren laufen aber oft parallel. Steuerrechtlich betrachtet, zählt meist die Frist ab dem Jahresende, in dem die Steuer entstanden ist. Läuft diese ab, kann das Finanzamt keine Steuer mehr festsetzen.
Die strafrechtliche Verjährung betrifft dagegen mögliche Strafen, etwa bei Steuerhinterziehung. Sie kann durch Ermittlungsmaßnahmen wie Durchsuchungen oder Befragungen unterbrochen werden, wodurch sich der Ablauf verlängert. Ein Strafverfahren besteht demnach auch dann noch fort, wenn die Steuer bereits verjährt ist.
Es gibt mehrere Gründe, aus denen eine Steuer nicht normal verjährt, sondern andere Regelungen gelten. Das ist beispielsweise bei Außenprüfung, Einspruch oder Klage der Fall. Läuft eine Außenprüfung beim Unternehmen, wird die Verjährung für den Prüfungszeitraum unterbrochen oder gehemmt. Gleiches gilt, wenn ein Einspruch eingelegt oder eine Klage beim Finanzgericht erhoben wird. Die Steuer verjährt nicht normal, denn die Verjährung wird gestoppt und erst nach Abschluss des Verfahrens fortgesetzt.
Auch Verwaltungsakte wie Stundungsanträge oder die Einleitung von Vollstreckungsmaßnahmen beeinflussen den Lauf der Zahlungsverjährung. Sobald das Finanzamt aktiv wird, ruht oder hemmt sich der Fristablauf.
Dass eine Steuer verjährt, hat vor allem für Steuerpflichtige eine wichtige Schutzfunktion. Die Dauer, in der mit Nachforderungen zu rechnen ist, wird klar begrenzt. Das verschafft Sicherheit. Auch die Dokumentationspflicht wird dadurch eingegrenzt. Gleiches gilt bei Steuern für Unternehmen. Nach Eintritt der Verjährung darf das Finanzamt keine Steuerbescheide mehr erlassen oder Vollstreckungsmaßnahmen durchführen. Ein entsprechender Verwaltungsakt wäre nichtig.
Wer beispielsweise weiß, dass eine bestimmte Steuerforderung verjährt ist, kann aufatmen. Wurden allerdings absichtlich falsche Angaben in der Steuererklärung gemacht, sieht es mit der Verjährung anders aus. Vor allem, wenn diese zu einer Steuerverkürzung führen, kann der Tatbestand der Steuerhinterziehung (§ 370 AO) erfüllt sein.
Wer seine Einkommensteuererklärung für das Jahr 2019 erst im Jahr 2023 einreicht, riskiert eine spätere Festsetzung. Da die Einkommensteuer-Verjährung bei Nichtabgabe anders aussieht, kann die Frist zur Festsetzung über Jahre hinweg offenbleiben. Dabei kommt es auf den Einzelfall an: Liegen dann noch falsche Angaben in der Steuererklärung vor, etwa durch bewusst verschwiegenes Einkommen, fällt die Verjährung weiter nach hinten. Es droht eine Prüfung und möglicherweise eine Verlängerung der Frist auf zehn Jahre. Wir raten demnach dringend davon ab, auf diesem Weg Steuern sparen zu wollen.
Einkommensteuer |
Die Einkommensteuer unterliegt der allgemeinen Festsetzungsverjährung. Diese beträgt in der Regel vier Jahre. Bei verspäteter Abgabe oder unterlassener Einreichung beginnt die Frist später, nämlich mit der Einreichung der Steuererklärung. Das Finanzamt kann auch Jahre später noch Nachforderungen stellen. |
Umsatzsteuer
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Bei der Umsatzsteuer gelten grundsätzlich die gleichen Verjährungsfristen wie bei der Einkommensteuer. Da die Umsatzsteuer monatlich oder vierteljährlich gemeldet wird, kommt es in der Praxis häufig zu Verlängerungen, insbesondere bei Unstimmigkeiten oder Prüfungen. |
Erbschafts- und Schenkungsteuer |
Die Erbschaftssteuer-Verjährung greift regulär nach vier Jahren. Allerdings beginnt die Frist in vielen Fällen erst mit der Anzeige gegenüber dem Finanzamt. Wird die Erbschaft oder Schenkung nicht gemeldet, beginnt die Frist, mit der die Steuer verjährt, nicht zu laufen. Eine Nachversteuerung kann noch lange Zeit erfolgen. |
Gewerbesteuer und andere kommunale Abgaben |
Auch kommunale Steuern wie die Gewerbesteuer oder Grundsteuer unterliegen Verjährungsfristen. Die allgemeinen Regeln der AO gelten entsprechend. Allerdings haben Länder und Kommunen in bestimmten Fällen eigene Regelungen zur Fristberechnung oder -hemmung. |
In jedem Fall ist es wichtig, den aktuellen Stand des Verfahrens oder den fehlenden Beginn der Verjährungsfrist klar und nachvollziehbar zu dokumentieren. Das ist notwendig, weil das Finanzamt trotz einer vermeintlich abgelaufenen Verjährungsfrist versuchen kann, durch die Behauptung einer Unterbrechung oder eines fehlenden Fristbeginns die Verjährung zu verhindern und noch Zahlungen einzufordern.
Für die Prüfung einer Steuer-Verjährung lohnt sich im Zweifelsfall der Blick in die eigenen Unterlagen. Steuerpflichtige oder Unternehmen mit einer akkuraten Buchführungssoftware können schnell feststellen, bis wann die jeweiligen Fristen bestehen. Folgende Informationen sind dafür von Belang:
Haben wir beispielsweise eine Einkommensteuer aus dem Jahre 2018 mit der Abgabe der Erklärung am 30.06.2019, beginnt die Steuer-Verjährung am 31.12.2019. Die entsprechende Festsetzungsverjährung greift zum 31.12.2023. Wurde keine Abgabe getätigt, beginnt die Frist unter Umständen nicht zu laufen.
Sobald Unklarheiten bestehen, ob eine Frist gehemmt oder unterbrochen wurde, empfiehlt sich die Beratung durch einen Steuerberater oder Fachanwalt. Diese Dienstleister arbeiten heute oft mit einer praktischen Mandanten-Software, die den Datenaustausch erleichtert. Auch bei Verdacht auf fehlerhafte Bescheide aufgrund verjährter Forderungen ist professionelle Unterstützung sinnvoll.
Es gibt keine „Verjährung auf Antrag“. Allerdings kann man sich im Rahmen eines Verfahrens oder einer Prüfung auf eingetretene Verjährung berufen. Dazu sollten jedoch alle Fristen und Ereignisse im Detail belegbar sein.
Die Frage, wann eine Steuer verjährt, ist komplex, aber für Unternehmen wie Privatpersonen von hoher Relevanz. Verjährungsfristen schaffen Rechtssicherheit, doch bergen auch Risiken, wenn sie übersehen werden. Wer seine Steuerunterlagen kennt und Fristen im Blick behält, kann sich vor unerwarteten Nachforderungen schützen. Eine moderne Buchhaltungssoftware hilft Unternehmen dabei, Fehler bei der Steuererklärung zu vermeiden. Steht der Verdacht der Steuerhinterziehung oder unterlassener Angaben im Raum, sind Folgen auch nach vielen Jahren noch weitreichend. Ist eine Steuer aber legitim verjährt, sind Forderungen meist nicht länger durchsetzbar.